Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  71) De Herrgott leßt de Gaas ihen Schwooz njet ze laong wochs, sünst fitzt sa sich a Aag raus  
  Der Herrgott läßt der Geis den Schwanz nicht zu lange wachsen weil sie sich sonst damit am Auge verletzen könnte  
  Der Herrgott machts immer recht, er allein kennt Maß und Ziel; er ist gerecht und teilt jedem das Seine zu, immer wie es für das betreffende Geschöpf gut ist; auch die Geis hat daher eben nur den ihr gemäßen Körperbau, in diesm Fall den passenden Schwanz dazu, nicht kürzer auch nicht länger.  
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  72) Dä hot sich a Rutn üben Aosch gebundn  
  Der hat sich eine Rute über/an den Arsch/Hintern gebunden  
  Der hat sich im Leben auch schwer geirrt
der hat falsch gewählt (z.B. auch in der Person seiner Frau, in der Wahl seines Berufes etc.)
der hat zeitlebens an etwas Schwerem oder Unangenehmen zu tragen
der ist stets zu bedauern, eben wie einer der immer mit Ruten/Zweigen (ähnlich wie Schicksalaschlägen) auf den Hintern geschlagen wird.
 
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  73) Bei den kumma die Kinne aa wie die Schniaflockng  
  Bei dem kommen die Kinder auch so zahlreich wie die Schneeflocken an  
  Der hat viele Kinder
da kommen ständig Kinder auf die Welt
der ist kinderreich und hat ununterbrochen Zuwachs in der Familie
 
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  74) Armetei im Beckngkorb  
  Armut im Bäckerkorb  
  Bei dem ist die Armut so groß, daß sein bischen Hab und Gut gerade in einen Korb (einem kleinen Henkelkorb am Arm oder länglichen Weidenkorb an Bändern über den Schultern getragen) Platz hat
oder auch: Die Armut ist so groß, daß noch nicht einmal in einem Beckenkorb das nötige Brot vorhanden ist.
 
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  75) Njet ums Freckng  
  Nicht um/fürs Sterben  
  Ich helfe dir nicht und wenn du sterben müßtest
ich unterstütze dich nicht
ich mache überhaupt, auch ums Sterben, nichts
du kannst mir geben was du willst: von mir hast du sogar um den Tod und bis zum Tode nichts zu erwarten.
 
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  76) Frisch Bruet, waacha Saafm und grüüs Huelz sen es Leutvedärbm  
  Frisches Brot, weiche Seife und grünes Holz verderben die Existenz der Menschen  
  Alles, was nicht eben abgelagert, alt und überprüft genug ist, was zu jung, zu frisch, zu weich, nicht gut gewachsen ist, das bekommt nicht, das rentiert sich in keiner Weise;
es verdirbt selbst und auch die Leute mit unnötigem Geldausgeben und unrentablen Aufwendungen.
 
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  77) Aoch Gottela!  
  Ach Gott!  
  Ein, leider bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit und vor allem von unchristlichen Menschen mehr als etwas anderes gebrauchter Ausdruck, mit dem Überraschung, Erstaunen, aber auchFreude- und Schmerzensäußeung ausgesprochen wird. Gar mancher zitirt hier unbewußt, mitunter sogar leichtsinnigerweise seinen Herrgott von dem er normal gar nichts wissen will.  
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  78) Es geht um die Wöscht  
  Es geht um die Wurst/Würste  
  Es kommt darauf an
es fällt damit die Entscheidung
halte dich bereit
stehe dienen Mann und sei auf der Hut
jetzt oder nie
 
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  79) Dä passt auf wie a Hejfelesmache  
  Der passt auf wie ein Häfner/Töpfer  
  Der passt auf, da muß man aufpassen (bei der Arbeit) als ob man Töpfe herstellt
gemeint ist damit die Schwierigkeit mit der in früheren Zeiten die Töpfer und Häfner aus nassem Ton und bei schwierigster Holzbefeuerung ihre Tonwaren herstellten, zuletzt noch beim Transport und Verkauf dieser zerbrechlichen Ware.
 
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  80) Es Brühla verschüttn  
  Die Brühe ausschütten  
  Jemanden beleidigen, über ihn scherzen oder spotten
einen Überempfindlichen damit treffen, jemanden verärgern
durch unvorsichtiges Reden den anderen aus guter Stimmung bringen.
 
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