Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  81) A lähre Souck steht nje  
  Ein leerer Sack bleibt nicht stehen  
  Wird besonders bei dicken, beleibten und fetten Menschen gebraucht; ist also damit gut Essen und Trinken gemeint bei denen die sowieso zuviel auf die Waage bringen.  
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  82) Klaana Hejfela laafm/kochn oft übe  
  Kleine Töpfe laufen/kochen oft über  
  Der/Die ist oft beleidigt, ist immer sehr empfindsam
kann keinen Scherz oder Spott vertragen
kann sich nicht beherrschen
ein kleines Gemüt
 
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  83) Redt und dät njet (Dä tut kan Muffe)  
  Redet und deutet nicht  
  Ist stumm wie ein Fisch
kümmert sich um nichts
ist bei allem abwesend
geht nicht aus sich heraus
ist in Wort und Tat unbrauchbar
 
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  84) Trennfell neimachng  
  Trennfell, eine Trennwand einbauen  
  Etwas verhindern, aufbegehren, aufputschen
jemanden die Meinung sagen
Steit auswehren
Aber auch: "Paß auf daß ich de njet a Trennfell neimach!", was dann eine Mahnung, Hinweis, Aufforderung zur beschleunigten Erledigung einer Sache/eines Auftrages darstellt.
 
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  85) En Herrgott an gutn Moo sei loußn  
  Den Herrgott einen guten Mann sein lassen  
  Gleichgültigkeit und faule Zufriedenheit üben
Wurstigkeitsgefühl haben und eine stinkende Uninteressiertheit an den Tag legen und sich immer darauf verlassen, daß der liebe Gott die Sache schon "als guter Mann und Vater" in Ordnung bringen wird
Andere für sich sorgen lassen.
 
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  86) Gnaod de Gott  
  Gnade dir Gott  
  Gott sei dir gnädig
Im Volksmund aber fast zur Drohung geworden, z.B. "Wennsta njet hüest, wennsta njet annesch wäst, daonn: Gnaod dje Gott!=Wenn du nicht hörst, wenn du nicht anders wirst, dann straft dich Gott. Dann hast du keine Gnade, kein Erbarmen mehr bei Gott.
 
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  87) Frühe hom Kinne Ruetznousn ghaott - heut hom Ruetznousn Kinne  
  Früher hatten die Kinder Rotznasen, heute haben solche Rotznasen/Jugentliche bereits kleine Kinder  
  So hat sich die Welt, die Menschen geändert
alles ist verkehrt
niemand besitzt mehr ein Wertmaß für sich und die Zeit, für Alter und Leben.
 
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  88) Auf die Schnorr gehn  
  Auf, nach der Schnur gehen  
  Hier wird das Wort "Schnur" mit einem "r" tatsächlich rasch gesprochen
es ist damit gemeint, neben dem wohl auch angedeuteten "Kater-Schnurren", zu seinem Mädchen zu gehen und zwar zu einem bestimmten, nach der Schnur, schnurstracks, auf schnurgeradem Wege, zielbewußt, auf die Brautschau gehen
aber auch: der ist unterwegs zu einem Mädchen, der sucht sich also nicht unbedingt bereits eine Braut aus, sondern "schnurrt" halt mit dem weiblichen Geschlecht "ein wenig" so herum.
 
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  89) Hunge träbt Broutwöscht nei  
  Hunger treibt sogar Bratwürste hinein/in den Magen  
  Wer seinenHunger gestillt hat und zwar einen sogar sehr großen Hunger, der könntetrotzdem noch Bratwürste essen, d.h.: Soviel kann man gar nicht essen und so sehr hungrig kann man gar nicht sein, daß nicht noch einige gute Bratwürste Platz im Bauch hätten.
Außerdem sind hier nicht unbedingt nur unsere so berühmten "Kroniche Brutwöscht" gemeint, sondern alles gute Essen das man noch zusätzlich zu sich nimmt.
 
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  90) Die hüen wie die bleiena Entn  
  Die hören so gut wie Enten aus Blei  
  Die hören auf gar nichts, sind ungehörig
schlagen alle Ermahnungen in den Wind
merken auf gar nichts
besonders bei Kindern: diese hören auf kein elterliches Wort, sind schwerfällig und stumpf gegen gutes Zureden.
 
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