Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  91) Die Stumm is njet ausgekjeht  
  Die Stube ist nicht ausgekehrt/gereinigt  
  Das Zimmer ist nicht sauber, aber nicht wegen des Schmutzes sondern: Dort drinnen sind jugendliche Leute, Unbeteiligte, Unerwünschte, vor denen man nicht alles sagen, erzählen und besprechen kann. Besonders bei älteren Menschen in Gebrauch, von denen die anwesenden Jüngeren nicht alles hören sollen.  
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  92) Alla heilinga/heiliga Zeit  
  Alle heilige Zeit  
  in gewissen zeitlichen Abständen
von Fall zu Fall; je nach dem; hin und wieder; manchmal
aber auch in Ableitung der "weihnachtlichen heiligen Zeit" also trotzdem auch "zu einer bestimmten Zeit" gemeint.
 
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  93) Mei bindegut - mei houdichgään  
  Mein bin dir gut - mein hab dich gern  
  Derbe aber an und für sich sehr innige Liebkosung, also: Ich bin dir gut, ich habe dich gern; ausgestorbene Redensart aus Großvaters Zeiten
Heute nur noch von Witzbolden gebraucht oder als spaßiger Ausdruck für wirklich noch ganz Verliebte.
 
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  94) Lejdig gstorbm is aa njet gfreckt  
  Ledig/unverheiratet gestorben ist auch gut gestorben  
  Auch wenn einem im Leben nicht alles Glück, z.B. die Ehe, zuteil geworden ist, hat man doch gelebt und wird auch gut und selig sterben
man wird nicht vergessen sein
dieses Leben hat auch seinen Sinn und Zweck gehabt und wird trotz seiner Einsamkeit nicht durch einen unschönen Tod enden.
 
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  95) Des sen zwaa pao Stiefl  
  Das sind zwei paar Stiefel/Schuhe  
  Keine Gleichheit, grundsätzliche Verschiedenheit
es passt nicht zusammen, ist eben ungleich
ist nicht miteinander zu vereinbaren, ist zweierlei Art
 
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  96) A beleidigta Lejbewöscht (-wuescht)  
  Eine beleidigte Leberwurst  
  Ein empfindlicher, immer bei Kleinigkeiten schon bei Kleinigkeiten beleidigter Mensch
nimmt alles zu ernst; versteht keinen Spaß
warum nun aber eine Leberwurst beleidigt sein soll ist mir als Vergleichsbild etwas schleierhaft, vielleicht ist mit obiger Deutung doch eine gewisse Art von "schlapper Wurstigkeit", also Gleichgültigkeit gemeint.
 
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  97) Zwaamol ougschnittn und doch ze kuez  
  Zweimal abgeschnitten und doch zu kurz  
  Wenn es jemand zu genau nimmt, zu diffizil auffasst
wenn ers obendrein verkehrt, falsch macht
zu genau gemessen hat; auch überängstlich ist und ihm etwas beim besten Willen nicht gelingt
wenn er sich wirklich vermessen hat im Maß.
 
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  98) Oo aaneStaudn freckt ka Gaaß  
  An einer Staude/Gebüsch stirbt keine Geiß  
  Alles und jedermann ist zu ersetzen
wegen einer Sache allein geht niemand und nichts zugrunde
besonders verwendet bei auseinandergehenden, sich trennenden Liebesverhältnissen, dort ist gemeint daß wegen einer verschmähten, zerbrochenen Liebe das Leben nicht aus ist
Wie eben die Geiß sich auch eine andere Nahrungsstelle sucht und nicht wegen einer nicht mehr vorhandenen Staude sterben muß.
 
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  99) Noon Schlout schreibm  
  An den Schlot/Kamin schreiben  
  Etwas genau vermerken; gut anschreiben, entweder an besonders auffälliger Stelle oder auch an nicht direkt sichtbarer Stelle, so daß man es nicht vergisst
Auch: Etwas unangenehmes jemand ankreiden.
Weitere Bedeutung: etwas ganz groß bekannt machen.
 
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  100) An in de Reißn hom  
  Jemand in der Reisen/Raufe haben  
  Jemand aufsässig sein, genau aufpassen; sein Tun und Lassen genau verfolgen; jemand geistig-wörtlich zerpflücken; sein Verhalten unter die Lupe nehmen; sein Benehmen kritisieren; jemanden fast auseinanderreißen, geistigerweise. Kommt von der Reiße/Raufe, einem horizontal liegenden leiterähnlichen Futterbarren der Kühe durch dessen Sprossen das Vieh sein Futter herauszieht, herausreißt.  
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