Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  121) Die Schand noo die grueß Glockng henga  
  Die Schande auch noch an die große Glocke hängen  
  Es genügt schon, daß ein Teil die Schande/Tat/Gemeinheit/das Vergehen weiß, man muß das ja nicht obendrein allen bekannt machen, daß es dann Jedermann weiß, indem man es überall erzählt und sozusagen "ausläutet" in der Öffentlichkeit.  
  nach oben  
  122) Die Gröbstn runte tun  
  Die Gröbsten, das Grobe wegnehmen  
  An und für sich den Unrat, das Ungeziefer, das Große und Grobe nehmen, säubern.
Doch es hat meist die Bedeutung von Jemand schlagen oder ausschimpfen, also ihm Grobheiten sagen oder auch einmal derb schlagen;
Jemand in offener, grober und derber Art die Meinung sagen daß er endlich mal weiß, wie er dran ist.
 
   nach oben  
  123) Ka Schand aufhjebm  
  Keine Schande aufheben  
  Sich oder Anderen keine Schande machen
alles in Ordnung bringen, daß niemand etwas daran auszusetzen hat; daß niemand etwas zu kritisieren hat, daß man sich nicht schämen muß
Auch: eine Schande nicht aufheben/aufdecken/offenbaren, verschwiegen bleiben trotz Kenntnis der Dinge
 
  nach oben  
  124) In an gutn Stoull stehn  
  In einem guten Stall stehen  
  Gut dran sein, in guten Verhältnissen, bei einem guten Dienstherren leben
alles haben was man braucht, keine Not leiden müssen
wie eben auch das Vieh, das in einem gut gepflegten sauberen Stall sich bei guter Nahrung ebenfalls wohl fühlt.
 
  nach oben  
  125) Jesum Christum kenna lääna  
  Jesus Christus kennenlernen  
  Religiöser Hinweis auf das Höchste, z.B.: "Ihe wäd nuch Jesum Christum kenna lääna"=Wenn ihr euch nicht bessert, nicht aufhört mit Zank und Streit, euch nicht vertragt usw., dann wird euch der Herrgott schon noch dafür strafen wenn eure Zeit kommt; dann werdet ihr ihn schon noch erkennen und auch eure Fehler.  
  nach oben  
  126) Den freßn die Läus  
  Den fressen die Läuse auf  
  Bei dem ist große Armut, der ist ein Habenichts
auch: Unbeholfen sein, Alleinsein, bei dem der Einzelne zugrunde geht, nicht zurecht kommt; sich nicht betun kann, sodaß ihn zuletzt sogar die Läuse, die Unordnung, der Unrat und die Unsauberkeit aber auch seine Faulheit überfallen und er dann gar nichts mehr am Schluß hat
so armselig, daß man meint den hätten seine eigenen Läuse aufgefressen.
 
  nach oben  
  127) Übe de Gass wäd annesch gebät, annesch gessn und annesch geärbet  
  Über der Gasse/im anderen Ort/in der nächsten Umgebung wird anders gebetet, anders gegessen und anders gearbeitet  
  Dort besteht eine andere Konfession, eine andere Küche mit anderen Speisen und dort ist z.B. Industrie anstatt der heimischen Landwirtschaft.
Man soll am besten bleiben wo man istund sich nicht anderswohim, in die Fremde verlieren.
Früher ein Sprichwort mit ausgesprochenen Inzucht-Gedanken
 
  nach oben  
  128) A Laafe is nuch long ka Kaafe  
  Ein Läufer ist noch lange kein Käufer  
  Einer der immer wieder hin- und herläuft, der nur ständig kommt und geht; sich alles nur kritisch betrachtet, neugierig aber ohne feste Absichten ist, der bedächtig zwar überlegt aber zu keinem Entschluß kommt ist noch lange kein Käfer, kein ernster Interessent für etwas (auch nicht und besonders in Liebesangelegenheiten)  
  nach oben  
  129) Nex wie Lügn und Budikn  
  Nichts wie Lügen und eine Bude  
  Das ist alles unwahr und armselig; dem kann man nicht trauen; der sagt nicht bloß die Unwahrheit sondern ist auch sonst noch ein armseliger Wicht
dem sein ganzes Geplauder und Geschwätz ist inhaltslos und taugt überhaupt nichts; es sind zumeist Lügen, Angebereien und Aufschneidereien wie sie eben in einer Budike(fr.)=einer Bude, einem Kramladen, einer Kneipe bei einem Kneipenwirt so allgemein verzapft werden; es ist halt ein so armer Mensch, daß er nichts gilt.
 
  nach oben  
  130) Mei Fraa seelicha - oder Mei Moo seeliche  
  Meine verstorbene Frau, mein Mann seligen Andenkens  
  Frau oder Mann die sich wünschenswert in der Seligkeit, im Himmel befinden
heute noch gerne gebrauchter Ausdruck religiös fundierter Menschen, die damit gleichzeitig im Gespräch und Bezug auf den Verstorbenen mit diesem einen Wort die Seligkeit bei jeder Möglichkeit und bei jedem Erinnern wünschen/hoffen wollen.
 
  nach oben