Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  131) Dä hot seina - die hot ihra Muckng  
  Der hat seine - sie hat ihre Mücken  
  Schlechte Laune haben, mürrisch nicht gut aufgelegt sein; sich in häufig wechselnder Stimmung befinden (wie eben auch die Fliege hin- und herschwirrt ohne festen bleibenden Platz)
aber auch: hinterhältig, duckmäuserig sein
 
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  132) Nouchet frißta an Hundsfotzn  
  Dann, danach frißt du eben einen Hundedreck  
  Wenn du mit dem und jenem (Essen) nicht zufrieden bist, dann bekommst du entweder gar nichts oder nichts mehr Gutes; dann mußt du eben Hunger leiden und kannst den Abfall haben  
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  133) Mje sen Leut und kaana Frösch  
  Wir sind Leute/Menschen und keine Frösche/Tiere  
  Mut, Kraft und Schneid haben; mit Muskelkraft etwas protzen; im Gegensatz zum unscheinbaren hilflosen Tier; ein ausgesprochener Kraftausdruck.  
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  134) Saufm wie die Böschtnbinde  
  Trinken/saufen wie die Bürstenbinder  
  übermäßiges Alkoholtrinken (meistens Bier); Ausdruck für einen notorischen Säufer, wobei sehr fraglich ist, ob die einstigen Bürstenbinder tatsächlich mehr gesoffen haben wie z.B. unsere Flößer. Erklärlich nur daraus, daß sie häufig mit ihren vollgepackten Huckelkörben auf Märkten und sonst zu Kunden im weiten Umkreis unterwegs waren und vielleicht deshalb mehr Durst als andere hatten.  
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  135) Dou hüet sich doch alle Gemüshandl auf  
  Da hört sich doch aller Gemüsehandel auf  
  Jetzt reichts; jetzt ist es genug; bis hierher und nicht weiter; so kommen wir nicht ins Geschäft miteinander; jetzt hat alles Gerede keinen Wert/Erfolg mehr.
Das hier minderwertig gemeinte Handelsobjekt "Gemüse" ist sicherlich deswegen in diese Redewendung aufgenommen, weil Gemüse früher nicht den Wert und die Bedeutung von heute hatte.
 
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  136) De Ange is länge wie die Goos  
  Der Anger/die Wiese ist länger/größer als die Gans  
  Althergebrachtes, einheimisches, örtliches, bewähertes und seßhaftes bleibt: dagegen Neuerungen und unpassende übertriebene Forderungen und unangebrachte moderne Ansichten verschwinden genau so, wie die Menschen, die sie einführen wollen.  
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  137) Vivat houch! - Jede macht wosse moug!  
  Vivat hoch! Jeder macht was er mag  
  Also, meinetwegen, lassen wir alles beim Alten da ja doch jeder macht was er will
Es ändert sich also nichts, trotz angewandter Überzeugungskraft, trotz sogar teilweiser Einsicht behalten doch die ewigen Bessserwisser wieder Recht
bringen wir also sogar noch ein Hoch auf solche Eigenbrödler und ihre Ansichten aus.
 
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  138) Dä hot aa Grummet staotts Hjen im Kuepf  
  Der hat auch nur Grummet statt Hirn im Kopf  
  Der ist strohdumm, einfältig, nicht gescheidt, saudumm
mit dem ist nichts anzufangen, der versteht nichts
wie ja auch das Heu besser ist als das Herbst-Grummet.
 
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  139) Leck mich Foudn, hosta Zwjen  
  Lecke mich am Faden dann wird Zwirn daraus  
  Wenn jemand etwas geduldig und mit Ausdauer verfolgt, kommt zuletzt doch etwas Positives, Gutes heraus
Zum zwirnen der Wolle wurde bei der Spinnradarbeit immer an die drehenden Finger geleckt.
Aber auch das Gegenteil anwendbr: Wenn es dir zu langsam geht, wenn du es besser weißt, dann mache es anders, besser, schneller (und brauche dann nicht so lange, wenn "gezwirnt" wird)
 
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  140) De Sunna a Aag raus brenna  
  Der Sonne ein Auge herausbrennen  
  Licht anzünden oder brennen lassen obwohl es schon heller Tag ist und die Sonne schon scheint
Ist für Strom- oder andere Verschwendung gemeint.
 
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