Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
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  141) Es gibt auf de Welt ka schlimmres Tjie, als wann a Maad a Bäura wied  
  Es gibt auf der Welt kein schlimmeres Tier als wenn eine Magd eine Bäuerin wird  
  Die meisten Emporkömmlinge aus den sogenannten niedern Ständen wissen, wenn sie einmal nach oben gelngt sind, nichts mit ihrer neuen Würde, ihren neuen Aufgaben anzufangen und sind als Vorgesetzte schlimmer, gemeinder, tyrannischer als dijenigen, die sie bisher kritisierten. Meist waren sie bisher gar nicht fähig, etwas selbständig zu leisten und sind durch Protektion, Heirat, Gewinn, freches Mundwerk an die Oberfläche gekommen, wo sie ihre Dummheit, Unfähigkeit und Schlechtigkeit durch Arroganz, Einbildung usw. mit einem noch größeren Maul und Angeberei zu verdecken suchen.  
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  142) Zweielei Leut  
  Zweierlei Menschen/Leute  
  verschieden geschlechtliche Menschen, also männliche und weibliche. Wenn jemand sagt: "Dä waaß njet amol, daß zweielei Leut gibt", dann ist gemeint, der ist so dumm, daß er noch nicht einmal weiß , daß es Männla und Weibla auf der Welt gibt.  
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  143) Dö Öibe sticht en Ünte  
  Der Obere sticht den Unteren  
  Wie beim Kartenspiel, von dort ja auch entlehnt: Der Ober sticht/übertrumpft den Unter
also: immer der der oben steht herrscht, gilt, hat mehr zu sagen als der Nachstehende/der Untergebene.
Eben: Der Chef, der Meister, der Vorgesetzte gegenüber den seiner Aufsicht, Arbeit, Dienstpflicht unterstellten Beschäftigten.
Auch oft im sarkastisch-negativen Sinne dahingehend gemeint, daß man gegen den "Oberen" nicht und nie ankann, daß dieser immer Recht hat auch wenn der "Untere" im Recht ist.
 
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  144) Es Maul, die Goschn auftun, (oder) haltn  
  Den Mund aufmachen (oder) lassen  
  Reden, sprechen, etwas sagen, um etwas fragen und bitten, etwas offenbaren, ein Geheimnis lüften, oder: schweigen, still sein
z.B. "Hejte halte sei Maul aufgetoo" heißt Hätte er halt etwas gesagt, dann hätte man es gewußt.
oder "Dä hejt sei Goschn aufmach könna" heißt: Der hätte es ja mitteilen können was er weiß
oder "Hejte sei Maul nje su laong ghaltn" heißt: Hätte er halt nicht so lange geschwiegen, hätte er früher/rechtzeitig geredet, dann wäre das Geheimnis, die Angelegenheit längst bekannt/geklärt und man hätte nicht so lange herumgeredet und gebraucht um etwas zu klären, oder gar dadurch etwas falsch zu machen.
 
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  145) Seine njet mächtig sei  
  Seiner selbst, sich selbst nicht mächtig sein  
  Er hat sich selbst nicht mehr in der Macht; in der eigenen Gewalt, weder geistig noch körperlich
Der weiß nicht mehr was er tut, was er sagt oder anstellt; fast: der ist übergeschnappt, geistesgestört, narrisch.
 
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  146) Auf de Wassesuppn häägschwumma  
  Auf der Wassersuppe herschwimmen  
  Nichts taugen, unwichtig sein, überflüssig und auch armselig sein; eben so wie auf der Wassersuppe kein Fettauge zu sehen ist - wodurch sie nichts taugt, nicht schmeckt - so geringfügig und bedeutunslos ist die Sache oder die Person
Wenn jemand von sich behauptet: "Ich bin fei njet auf de Wassesuppn häägschwumma" dann bekundet er damit, daß er etwas ist, etwas hat, kein armer Schlucker ist sondern als Mann mit allseits geordnetem Leben betrachtet werden will.
 
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  147) Ze Duef gehn  
  Zu, ins Dorf gehen  
  Eigentlich zu einer bestimmten Sache in das Dorf, in einen Ort gehen
bei uns aber landläufige Bezeichnung für einen Verliebten, der zu seinem Mädchen (ins Dor, auch ins Haus) geht bzw. dorthin öfters kommt
"Dä geht (beire) zu Duef" heißt: Der geht zu ihr, in ihr Dorf, in ihr Haus, d.h. er macht ihr den Hof.
 
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  148) An auf de Lattn hom  
  Einen, jemand auf der Latte haben  
  Es auf jemanden absehen, jemand ausdrücklich meinen
auf etwas bestimmtes hinzielen, ein beständiges Ziel mit einer Person verfolgen, diese ständig im Auge haben und verfolgen (wie wenn man etwas mit einer Latte/auf einer Latte/einem Richtholz anvisiert hätte)
 
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  149) A hupfeta Krouha hot mähre wie a höcketa  
  Eine hüpfende Krähe het mehr als eine sitzende  
  Ähnlich wie das Sprichwort "Sich regen bringt Segen" ist damit Rührigkeit, Fleiß, Arbeitseifer und Ausdauer beschrieben, die immer zum Erfolg führen; während Untätigkeit, Trägheit und Faulheit nichts erreichen
Wer also ständig am Ort bleibt, sich nicht anderwärts umsieht und interresiert kommt zu nichts.
 
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  150) Wä nes deheiet und nex deerbt, bläbt a arme Teufl bis dasse sterbt!  
  Wer nichts erheiratet und nichts erbt, bleibt ein armer Teufel bis zu seinem Tode  
  Wer kein Heiratsgut/keine Mitgift erhält und auch keine Erbschaft macht, plagt sich im Leben umsonst und kommt meist zu nichts
gemeint ist damit, daß nur eine Grundlage aus diesen Beiden (an und für sich unverdienten Quellen) die einzige ausgiebige und erstrebenswerte finanzielle Lebenschance ist - und es ist tatsächlich auch heute noch etwas Wahres daran.
 
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