Kroniche Schprüchwötte und anesch Gewaaf

 
  Von meinem Opa Hans Kremer 1967 gesammelt. Es werden nach und nach immer mehr dazukommen wenn ich die Zeit finde alles einzutippen! (es sind insgesamt 239 in dem Büchlein!)  
  1-10 11-20 21-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71-80 81-90 91-100 101-110 111-120 121-130 131-140
141-150 151-160 161-170 171-180 181-190 191-200 201-210 211-220 221-230 231-239
 
     
  161) Verredt und veschwuen  
  Verredet/zugegeben und verschworen/beschworen  
  Bestimmteheit und fester, unverrückbarer Standpunkt
fast auch Hartnäckigkeitund gewisse Sturheit
"Ich hous verredt und veschwuen" heißt, daß ich es so und nicht anders mache; daß ich diese Arbeitund keine andere tu; daß ich nur diese und keine andere Absicht/Ansicht habe.
 
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  162) Wenn de Teufl an Narrn braucht, leßtena sei Fraa sterb  
  Wenn der Teufel einen Narren braucht, dann läßt er ihm seine Frau sterben  
  Besonders bei älteren Ehepaaren, wenn die Frau stirbt, dann weiß oft der Mann nicht mehr aus und ein; kann sich oft alleine nicht helfen; wird tappig, umständlich, mitunter sogar kindisch, ja sogar verlilebt
auf alle Fälle ist es - soweit nicht eigene Kinder vorsoergen - mit seiner allgemein gehabten Ordnung vorbei.
 
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  163) Dä aa schnitzt sei Pflöckla und dä anne veschießt sa  
  Der eine schnitzt die Pflöcke/Pfeile und der Andere schießt damit  
  Ein Angeber, Besserwisser, auch ein Schwätzer, der stets im Hintergrund mit seinen erfundenen Gerüchten über Andere bleibt, während der Weitersager den Kopf für sein Weitererzählen hinhalten muß
der "Schnitzer" ist auf alle Fälle der Gemeinere
 
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  164) Deck fei ka Schand auf  
  Decke ja keine Schande auf  
  Gib Dich anständig, immer fein, rede nicht in der Öffentlichkeit/im Wirtshaus/bei sonstigen Leuten über häuslich-familiäre, mitunter auch nicht immer besonders eigene ehrenvolle/ehrenrührige Angelegenheiten, damit man sich nicht schämen muß; diese Schande träfe dich ja auch selber
es bleibt unter uns
mache uns auch keine andere Schande durch deine Person, dein Tun und Reden
 
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  165) Dou raachn zegao die Mäus Tabak  
  Da rauchen sogar die Mäuse Tabak  
  Es geht in einem solchen Haus sehr üppig und verschwenderisch zu
das sind reiche und protzig angebende Leute, die hoch hinaus wollen und sogar mit dem Kleinsten und Geringfügigsten nur prahlen wollen.
 
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  166) Heut is ka Semmltoug  
  Heute ist kein Semmeltag  
  Heute gibt es keine Brötchen, kein Weißbrot, sonder nur schwarzes Brot
Semmel gabs nur an besonderen Festen; früher erhielten am Begräbnistag die Leichenträger als besondere Gabe Semmel/Brötchen zur Vesper, was beim ansonsten täglichen und einst derben Schwarzbrot eine festliche seltene Angelegenheit war.
 
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  167) Veu dem is nex siche - höchtens a grueße Staa ode a glühets Eisn  
  Vor dem ist nichts sicher, höchstens ein großer Steinbrocken oder ein noch glühendes Eisen  
  Der stiehlt was er erwischt, was er greifen, halten und tragen kann
nur ganz unnahbarheiße/gefährliche oder unheimlich große/schwere Sachen sind vor ihm sicher
eben Dinge an die dieser selbst trotz Kühnheit, Mut und Kraft nicht heran kann
 
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  168) Dä kümmt üm sei bißla Zeug, wie de taab Hann üm seina Nüß  
  Der kommt um sein bischen Habe, wie der narrische Hans um seine Nüsse  
  Der ist zu gutmütig; fast leichtsinnig im ausgeben, auch im verschenken; kommt dadurch um seinen ganzen Besitz
Der ist auch zu dumm, um einen solchen, auch den kleinsten zusammenzuhalten
der ist ein Stück Liederlichkeit selber.
Diese Idee ist wahrscheinlich abgeleitet aus dem Märchen "Hans im Glück", dem zuletzt auch nichts mehr geblieben ist.
 
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  169) Treff dei Luech  
  Treffe dein Loch  
  Mache, daß du weiterkommst, daß du verschwindest
hau ab, daß man dich nur noch von hinten sieht (daß man also dein "Loch" treffen kann)
Auch: Treffe genau das Loch, durch das du verschwinden sollst.
 
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  170) Wie de Moo in de Füll  
  Wie der Mond in der Fülle  
  Dicksein wie der Vollmond
früher meist bei schwangeren Frauen in den letzten Monaten als nicht gerade schöner und liebevoller Ausdruck gebraucht
 
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